Kategorie: Reparatur

Ersatz fiktiver Verbringungskosten

Der zur Herstellung erforderliche Geldbetrag im Sinne des § 249 II Satz 1 BGB umfasst bei konsequenter Sichtweise auch die Verbringungskosten in eine Lackiererei, wenn und soweit sie regional üblich sind.

  • fiktive Verbringungskosten sind erstattungsfähig
  • sofern sie üblicherweise in den örtlichen Werkstätten anfallen

Urteil des Amtsgerichts Coburg vom 13.1.2021
Aktenzeichen 17 C 1431/20

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Nutzungsausfall für 105 Tage in Höhe von 6.195, €

 
Die VA (Verkehrsrecht Aktuell) berichtet in ihrer Ausgabe vom Juli 2020 von einem Urteil des OLG Brandenburg vom 27.2.2020 (12 U 86/18) über eine Nutzungsentschädigung in einem Langzeitfall.
 
 
Das Urteil befasst sich u.a. mit diesen 5 Klassikern der Unfallschadensregulierung.
 

1. Nutzungsausfall für 105 Tage

Die Geschädigte hat Anspruch auf Nutzungsausfall für einen Zeitraum von 105 Tagen. Das Geschädigte kann Nutzungsausfall bis zur Schadensbehebung für einen angemessenen Zeitraum verlangen kann, wenn der Nutzungswille und eine hypothetische Nutzungsmöglichkeit vorliegen.
 
Auch wenn die Klägerin mangels Reparatur gut ein 1/4 Jahr auf das Fahrzeug verzichten musste, entfällt der Nutzungswille der Klägerin nicht.
 
 

2. Reparaturverzögerungen fallen unter das Werkstatt – und Prognoserisiko und gehen zu Lasten der Versicherung. Überschreitet die Reparaturdauer die im Gutachten kalkulierte Reparaturdauer, kann dies nicht zulasten der Klägerin gehen.

 

3. Es besteht keine Verpflichtung des Unfallgeschädigten, die Reparatur aus eigenen Mitteln oder durch in Anspruchnahme der Vollkaskoversicherung vorzufinanzieren.
Zumal hier ein Fall einer klaren Haftung (Auffahrunfall) auf Seiten der Versicherung gegeben war.

 

4. Hinweispflicht erfüllt: Die geschädigte Klägerin hat die Versicherung mehrfach im Vorfeld der Reparatur darauf hingewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, die Reparaturkosten in Höhe von rund 14.000 € aus eigener Tasche vorzufinanzieren.

 

5. Der Geschädigte ist grundsätzlich nicht berechtigt, mit dem Reparaturauftrag zu warten, bis eine Reparatur Übernahme Bestätigung der Versicherung vorliegt. Entstehen durch das Warten höhere Kosten durch Nutzungsausfall oder Mietwagen, muss sich der Geschädigte den Vorwurf gefallen lassen, gegen die Schadenminderungspflicht zu verstoßen.

Die Lösung des Problems liegt in dem Hinweis auf die fehlende Möglichkeit zur Vorfinanzierung der Reparaturkosten und Anforderung eines angemessenen Kostenvorschusses in Höhe der Reparaturkosten.

Steigende Kosten bei Ersatzteilen – wird die Luft auf dem Regulierungsmarkt noch dünner?

I. Vista @ pixelio.de

Auf Autohaus.de war letzte Woche zu lesen, dass der GdV in den letzten Jahren deutlich steigende Preise bei den Ersatzteilen beobachtet hat. Beim GdV handelt es sich um den Dachverband der deutschen Versicherer. Laut GdV seien in den letzten 12 Monaten, von August 2017 bis August 2018, die Preise bei Ersatzteilen teilweise um bis zu 7% angestiegen.

Steigende Ersatzteilpreise haben auch zur Folge, dass die Unfallreparaturen damit immer teurer werden. Während der durchschnittliche Unfallschaden 2013 noch 2.400,00 € gekostet hat, schlägt die Reparatur heute schon mit 2.700,00 € zu Buche. Das heißt, in den letzten 5 Jahren sind die Reparaturkosten um 12,5 % gestiegen. Diese Preissteigerungen werden die Versicherungen irgendwie ausgleichen müssen. Oder sie sparen Kosten ein. Am besten durch Kürzungen bei den Unfallreparaturen.

Bereits jetzt versuchen die KfZ-Haftpflichtversicherer und mittlerweile auch die Kaskoversicherungen, die Reparaturkosten um jeden Preis niedrig zu halten. Nicht mehr nur bei fiktiven Schadensabrechnungen nach Gutachten, sondern auch bei den tatsächlich durchgeführten Reparaturen wird inzwischen regelmäßig der Rotstift angesetzt. Die Versicherungen schrecken nicht mehr davor zurück, auch Rechnungsbeträge einfach zu kürzen und Unfallgeschädigten ihren Schadensersatz – zumindest teilweise – zu verweigern.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, dass die steigenden Kosten bei den Ersatzteilen zu noch drastischeren Kürzungen bei den Reparaturkosten führen werden, da die Versicherungen diese Kostensteigerungen irgendwie ausgleichen müssen.

Die Luft auf dem Regulierungsmarkt wird damit immer dünner mit der Folge, dass auch die Reparaturwerkstätten schauen müssen, wo sie am Ende bleiben.

Sie müssen sich diese rechtswidrigen Kürzungen der Versicherungen nicht gefallen lassen. Nehmen Sie auch als Werkstatt von Anfang an den Anwalt bei der Schadensregulierung mit ins Boot. Dann haben Sie am Ende des Jahres mehr Geld in der Kasse.

 

Zum Artikel auf Autohaus.de

Zum Beitrag des GDV

 

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In Teil I ging es um die Kürzungen der Versicherungen bei

  • den Verbringungskosten
  • den Beilackierungskosten bei der farbangleichenden Beilackierung
  • den Sachverständigenkosten
  • dem Restwert
  • den Mietwagenkosten

In diesem zweiten Teil des Artikels, der sich mit den 11 größten Kürzungslügen der Versicherungen beschäftigt, geht es um die:

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Nutzungsausfall – Wann? Wie? Wofür?

Was ist Nutzungsausfall?

Sie haben Anspruch auf Nutzungsausfall, wenn Sie Ihr Auto nach einem Unfall nicht mehr nutzen könne. Das gilt, wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt zur Reparatur geben. Das gilt aber auch, wenn ein Totalschaden eingetreten ist und Sie ein anderes Auto kaufen müssen.

 

Wie lange steht mir Nutzungsausfall zu?

Nutzungsausfall erhalten Sie für
  • jeden Reparaturtag,
  • für die Wiederbeschaffungsdauer laut Gutachten,
  • für den Tag der Begutachtung,
  • für die Zeit, bis Sie das Gutachten haben.

 

Die Reparaturdauer wird vom Gutachter vorgegeben. Beim Totalschaden haben Sie normalerweise 14 Tage Zeit, für Ersatz zu sorgen.
 
Kommt es bei der Reparatur zu Verzögerungen, steht Ihnen auch länger Nutzungsausfall zu.
 
Sie sollten dann aber – wenn sich die Reparatur wesentlich verzögert – bei Ihrer Werkstatt nachhaken. Fragen Sie nach, was der Grund für die Verzögerungen ist. Klären Sie auch Möglichkeiten ab, ob Reparatur beschleunigt werden kann. In Extremfällen kann sogar ein Werkstattwechsel in Betracht kommen.
 
Anspruch auf Nutzungsausfall haben Sie auch dann,
  • wenn sich die Reparatur verzögert, weil Teile nicht geliefert werden können,
  • oder Feiertage in die Reparaturzeit fallen.
Müssen Sie einige Tage auf das Gutachten warten, haben Sie selbst bei einem offensichtlichen Totalschaden Anspruch auf Nutzungsausfall für die „Wartezeit„.
Liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, der im Rahmen der Opfergrenze repariert werden kann, dürfen Sie sich zwei bis drei Tage Zeit zum Überlegen nehmen, ob Sie die Reparatur beauftragen wollen. Stehen im Gutachten 5 Tage Reparaturdauer, können so leicht 8 bis 9 Tage Nutzungsausfall entstehen.
 
Müssen sich nach einem Ersatzwagen umsehen, wird in der Regel eine Wiederbeschaffungsdauer von 12 – 14 Tagen angenommen.
 
 

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3 Wege Reparaturkosten mit der Haftpflichtversicherung abzurechnen

Basis jedes Haftpflichtschadens ist, die Schadenshöhe kalkulieren zu lassen. Als erstes muss ein Gutachten oder Kostenvoranschlag erstellt werden. Außerdem müssen von dem Schaden einige Bilder gemacht werden. Beim Gutachten sind die Bilder dabei. Beim Kostenvoranschlag müssen die Bilder separat gemacht werden.

Die Entscheidung ob ein Kostenvoranschlag oder ein Gutachten erstellt wird, hängt von der voraussichtlichen Schadenshöhe ab. Ein Kostenvoranschlag ist ausreichend bei einem Bagatellschaden, wenn die Reparatur voraussichtlich nicht teurer wird als 750,00 € bis 800,00 €. Alles was darüber hinaus geht ist kein Bagatellschaden mehr und Sie sollten einen Gutachter einschalten.

 

 
Sobald Sie die Höhe des Schadens kennen, haben Sie folgende 3 Möglichkeiten, die Reparaturkosten mit der Versicherung abzurechnen:
 
 
  1. Konkret abrechnen mit einer Reparaturrechnung

Entscheiden Sie sich für eine Reparatur in einer Werkstatt werden die Reparaturkosten, durch die Reparaturrechnung nachgewiesen. Vorher sollte das Gutachten oder der Kostenvoranschlag an die Versicherung geschickt werden.

Entspricht die Reparatur den Vorgaben im Gutachten, sind die Reparaturkosten von der Versicherung vollständig zu bezahlen.

Im Moment macht sich bei den Haftpflichtversicherern die Unsitte breit, bei den tatsächlichen Reparaturkosten Kürzungen vorzunehmen.

Da werden Einwände erhoben wie: „die Kosten für die Beilackierung waren nicht erforderlich“, „die Verbringungskosten übernehmen wir nicht in voller Höhe, wir halten einen Betrag in Höhe von 80,00 € für ausreichend“, „die Kosten für die Fahrzeugreinigung sind nicht erstattungsfähig, es sind am Fahrzeug keine erkennbaren Verschmutzungen vorhanden“.

Hat der Gutachter diesen Kosten mit einkalkuliert, dann handelt es sich um erforderliche Reparaturkosten und die Versicherung darf hier nicht nach Belieben Kürzungen vornehmen.

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