Schlagwort: Kürzungen

Kaskoversicherung kürzt die Reparaturkosten

Sie haben einen Kaskoschaden, bringen Ihr Auto in die Werkstatt zur Reparatur, zahlen die Selbstbeteiligung an die Werkstatt und bitten die Werkstatt den Rest zu übernehmen.

Die Reparatur ist erledigt, die Werkstatt hat die Rechnung bei der Versicherung eingereicht und Sie glauben, damit ist alles erledigt.

Bis das Schreiben von der Werkstatt bei Ihnen im Briefkasten liegt, mit der Bitte, die restlichen Reparaturkosten zu überweisen.

Kürzungen vermehrt auch beim Kaskoschaden

Auf einmal haben Sie eine offene Rechnung von 3, 4 oder 500 € auf dem Tisch. Für Sie heißt das, dass Sie neben Ihrer Selbstbeteiligung die restlichen Reparaturkosten bezahlen sollen, obwohl Sie für Ihre Kaskoversicherung doch monatlich bzw. jährlich Versicherungsbeiträge bezahlen.

Was bei der Haftpflichtversicherung im Unfallschaden schon Gang und Gäbe ist, hält inzwischen auch bei den Kaskoversicherern Einzug.

Kürzungen der Reparaturrechnungen sind keine Seltenheit mehr.

Nachforderung zwecklos?

Sie fordern die Kaskoversicherung auf, die restlichen Reparaturkosten zu erstatten und erhalten lediglich ein Ablehnungsschreiben von der Versicherung und was jetzt?

Meistens stoßen Sie bei der Versicherung auf taube Ohren und Ablehnung.

Was können Sie dagegen tun?

Schauen Sie, was Ihr Versicherungsvertrag regelt.

Was steht in den Kaskobedingungen?

Wichtig ist, was in Ihren Kaskobedingungen dazu geregelt ist. Was muss die Versicherung von den Reparaturkosten tatsächlich bezahlen?

Die Antwort finden Sie im Punkte A.2.6. der allgemeinen Versicherungsbedingungen. Im Absatz zu „Leistung bei Beschädigung“ steht, was die Versicherung im Reparaturfall bezahlt.

Wenn Sie folgende Klausel in Ihren Bedingungen haben:

Wird das Fahrzeug vollständig und fachgerecht repariert, zahlen wir die hierfür erforderlichen Kosten zur Höhe des Wiederbeschaffungswertes, wenn sie dies durch eine Rechnung nachweisen.

A.2.6.2 AKB

ist der Fall klar.

Die Versicherung hat die Reparaturkosten – die erforderlichen Kosten – vollständig zu bezahlen. Die Ablehnung ist rechtswidrig und widerspricht der vertraglichen Vereinbarung.

Kürzungen sind inakzeptabel

Ist Ihre Versicherung der Meinung ist, dass die Reparaturkosten von der Werkstatt zu hoch bemessen sind, muss die Versicherung das auch beweisen.

Aber nicht durch einen Prüfbericht.

Die Versicherung darf sich nicht einfach zurücklehnen und behaupten, dass irgendwelche Kosten zu hoch sind und deshalb nicht bezahlt werden.

Was hat es mit dem Prüfbericht auf sich?

Die Versicherung hat ihrer Abrechnung einen Prüfbericht beigefügt. Die Reparaturrechnung wurde geprüft und für zu hoch befunden.

Es werden einige Rechnungspositionen hervorgehoben, die angeblich zu teuer abgerechnet wurden und deshalb gekürzt werden mussten.

Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern. Der Prüfbericht hält in den allermeisten Fällen einer rechtlichen Prüfung nicht stand.

Klagen mögen die Versicherungen nicht

Meinem Mandanten hat die Kaskoversicherung die Rechnung um 536,30 € gekürzt. Eine außergerichtliche Aufforderung meines Mandanten an die Versicherung, den Betrag umgehend zu erstatten, war erfolglos.

Wir haben dann gegen die Versicherung Klage eingereicht auf Zahlung der gekürzten Kosten. Direkt nach Klagezustellung wurden die 536,30 € zuzüglich Zinsen und der notwendigen Auslagen des Mandanten (Gerichts- und Rechtsanwaltskosten) von der Versicherung vollständig erstattet.

Der Mandant war dankbar, dass alles so reibungslos geklappt hat.

Sie haben ein ähnliches Problem? Rufen Sie mich an, ich helfe Ihnen gerne weiter.

– 0911 956 999 44 –

Kürzungen bei fiktiver Abrechnung? Was tun?

Letzte Woche bekam ich die Anfrage eines Lesers wegen Kürzungen der Versicherung in einem Fall der fiktiven Abrechnung:

 

Der Versicherung wurde ein Gutachten eingereicht. Die Reparaturkosten sollten dem Geschädigten auf  Basis des Gutachtens ausbezahlt werden. Die Versicherung rechnete ab und nahm folgende Kürzungen vor:

 

– Arbeitslohn 23,-€

– Verbringungskosten 114,-€

– Werkstattalternative 104,75 €

– Ersatzteile 24,23€

 

Sind die Abzüge rechtens? Oder muss die Versicherung alles bezahlen, was im Gutachten steht?

 

Den einzigen Abzug, den die Versicherung machen darf ist die Position Werkstattalternative, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

 

  • das Auto ist älter als 3 Jahre und

  • es ist nicht scheckheftgepflegt.

 

Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, darf die Versicherung nicht mal die Kosten für die Alternativwerkstatt abziehen.

 

Was tun?

→ Akzeptieren Sie diese Kürzungen nicht,

→ fordern Sie die Versicherung zur Nachzahlung auf, 

→ setzen Sie eine Frist von 1 Woche damit Verzug eintritt,

→ verstreicht die Frist, klagen Sie den Betrag + Verzugszinsen ein.

Gutachterkosten – wann darf die Versicherung die Zahlung verweigern?

Erstattungsfähigkeit von Gutachterkosten

Beauftragt die gegnerische Versicherung parallel zum Unfallgeschädigten einen Gutachter, darf die Versicherung  die Erstattung der Kosten für den vom Geschädigten selbst beauftragten Gutachter nicht verweigern.

Es spielt nämlich keine Rolle, wer schneller bei der Auftragsvergabe war.

Die Versicherung darf nur dann die Zahlung verweigern, wenn der Geschädigte mit der Versicherung vereinbart hat, dass die einen Gutachter schickt. Macht sie das aber von sich aus, muss sie auch die Kosten des anderen Sachverständigen erstatten. Der Geschädigte darf grundsätzlich einen eigenen Gutachter beauftragen.

 

Ich habe mit der Versicherung telefoniert und im Rahmen dieses Telefonats hat die Versicherung mir gesagt, sie schickt mir einen Gutachter. Habe ich trotzdem noch Anspruch auf einen eigenen Gutachter?

Wenn die Versicherung von sich aus einen Gutachter schickt, ohne dass dies ausdrücklich mit Ihnen abgestimmt ist, können Sie selbst auf Kosten der Versicherung noch einen Gutachter beauftragen.

 

Ich habe mit der Versicherung ausgemacht, dass der Gutachter über die Versicherung beauftragt wird.

In diesem Fall muss die Versicherung Ihnen keinen weiteren Gutachter bezahlen. Dann müssen Sie sich auch an die Vereinbarung mit der Versicherung halten und den Versicherungsgutachter akzeptieren.

 

Steigende Kosten bei Ersatzteilen – wird die Luft auf dem Regulierungsmarkt noch dünner?

I. Vista @ pixelio.de

Auf Autohaus.de war letzte Woche zu lesen, dass der GdV in den letzten Jahren deutlich steigende Preise bei den Ersatzteilen beobachtet hat. Beim GdV handelt es sich um den Dachverband der deutschen Versicherer. Laut GdV seien in den letzten 12 Monaten, von August 2017 bis August 2018, die Preise bei Ersatzteilen teilweise um bis zu 7% angestiegen.

Steigende Ersatzteilpreise haben auch zur Folge, dass die Unfallreparaturen damit immer teurer werden. Während der durchschnittliche Unfallschaden 2013 noch 2.400,00 € gekostet hat, schlägt die Reparatur heute schon mit 2.700,00 € zu Buche. Das heißt, in den letzten 5 Jahren sind die Reparaturkosten um 12,5 % gestiegen. Diese Preissteigerungen werden die Versicherungen irgendwie ausgleichen müssen. Oder sie sparen Kosten ein. Am besten durch Kürzungen bei den Unfallreparaturen.

Bereits jetzt versuchen die KfZ-Haftpflichtversicherer und mittlerweile auch die Kaskoversicherungen, die Reparaturkosten um jeden Preis niedrig zu halten. Nicht mehr nur bei fiktiven Schadensabrechnungen nach Gutachten, sondern auch bei den tatsächlich durchgeführten Reparaturen wird inzwischen regelmäßig der Rotstift angesetzt. Die Versicherungen schrecken nicht mehr davor zurück, auch Rechnungsbeträge einfach zu kürzen und Unfallgeschädigten ihren Schadensersatz – zumindest teilweise – zu verweigern.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, dass die steigenden Kosten bei den Ersatzteilen zu noch drastischeren Kürzungen bei den Reparaturkosten führen werden, da die Versicherungen diese Kostensteigerungen irgendwie ausgleichen müssen.

Die Luft auf dem Regulierungsmarkt wird damit immer dünner mit der Folge, dass auch die Reparaturwerkstätten schauen müssen, wo sie am Ende bleiben.

Sie müssen sich diese rechtswidrigen Kürzungen der Versicherungen nicht gefallen lassen. Nehmen Sie auch als Werkstatt von Anfang an den Anwalt bei der Schadensregulierung mit ins Boot. Dann haben Sie am Ende des Jahres mehr Geld in der Kasse.

 

Zum Artikel auf Autohaus.de

Zum Beitrag des GDV

 

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Die beliebtesten Kürzungen in der Unfallregulierung

In den Folgen 16 und 17 hatte ich mich mit den 11 größten Kürzungslügen der Versicherer beschäftigt. Da dieses Dauerthema sowohl bei Unfallgeschädigten, als auch bei Gutachtern, Werkstätten, Abschleppunternehmen und alle weiteren Beteiligten, die generell von den Kürzungen in der Unfallregulierung betroffen sind, von großem Interesse ist, werde ich mich in den nächsten Folgen noch intensiver mit den Kürzungen einzelner Positionen auseinandersetzen.
Die aktuellen Renner auf den Kürzungslisten sind:
– Verbringungskosten
– UPE-Aufschläge
– Kleinteilepauschale
– Reinigungskosten
– Sachverständigenkosten
– Beilackierungskosten
– Mietwagenkosten
– Wertminderung

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