Schlagwort: Abschleppkosten

Abschleppkosten, 41 Tage Nutzungsausfall, Standkosten und Zulassungskosten erfolgreich eingeklagt

Der Mandant erlitt einen unverschuldeten Verkehrsunfall, bei dem sein Fahrzeug schwer beschädigt wurde und vom Unfallort abgeschleppt werden musste. Der Unfallort lag knapp 200 km vom Wohnort des Mandanten entfernt, sodass 2 Mal abgeschleppt werden musste. Die Heimatwerkstatt des Mandanten holte das Fahrzeug von dem Abschleppdienst ab und brachte es in die Nähe seines Wohnortes.

Bis zur Abholung des Fahrzeugs durch die Heimatwerkstatt sind bei dem ersten Abschleppdienst Standkosten angefallen.

Die gegnerische Versicherung hatte die Kostenübernahme für dieses Abschleppen in Höhe von knapp 400,00 € verweigert und damit argumentiert, dass diese Kosten nicht erforderlich gewesen seien.

Außerdem wollte sie Standkosten bei dem ersten Abschleppdienst nicht übernehmen.

Der Mandant, welcher sich nach Erhalt des Gutachtens gegen eine Reparatur und für den Neuerwerb eines anderen Fahrzeugs entschied, machte insgesamt 41 Tage Nutzungsausfall geltend. Die ganze Sache fiel zeitlich in den Corona Lockdown, bei dem sowohl Autohäuser als auch Zulassungsstellen über Wochen geschlossen waren.

Auch den Nutzungsausfall in Höhe von rund 1.600,00 € wollte die Versicherung nicht bezahlen.

Insgesamt verweigerte die Versicherung dem Mandanten über 1.800,00 €, obwohl sämtliche Kosten unfallbedingt waren und der Mandant einen Anspruch auf Erstattung hatte.

Nachdem beim zuständigen Amtsgericht Klage gegen die Versicherung eingereicht wurde, erfolgte direkt mit Zustellung der Klage an die Versicherung auch der Ausgleich der Klageforderung.

Dies ist wieder mal ein Paradebeispiel dafür, dass man sich als Unfallgeschädigter gegen rechtswidrige Kürzungen der Versicherungen zur Wehr setzen muss.

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Abschleppkosten

Die Abschleppkosten sind nach einem Unfall von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu ersetzen. Dies gilt auch dann, wenn Sie das Abschleppfahrzeug selber gar nicht bestellt haben. Wurde der Wagen zum Beispiel von der Polizei angefordert, um die Unfallstelle so schnell wie möglich zu räumen, muss die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten für das Abschleppen übernehmen. Hier kommt es häufig wegen der Höhe der berechneten Kosten zu Diskussionen auf die Sie sich am besten gar nicht einlassen. Vor allem lassen Sie sich bitte nicht auf Einwände der Versicherungen ein, dass Sie zumindest die Preise hätten vergleichen und einen günstigeren Abschleppdienst rufen müssen.

 

Abschleppkosten über weitere Entfernung

Es soll vorkommen, dass sich ein Unfall nicht gerade vor der Haustür eignet, sondern dann, wenn man weiter weg von zu Hause ist. Dann stellt sich Ihnen die Frage, ob Sie den Wagen trotzdem nach Hause zu Ihrer Werkstatt bringen lassen können, oder ob Sie den Wagen in Nähe der Unfallstelle reparieren lassen und dann mit dem reparieren Wagen heimfahren müssen.
In diesem Zusammenhang kommen auch noch weitere Kostenfragen auf Sie zu, nämlich
  • wie kommen Sie wieder nach Hause – mit dem Taxi, mit dem Zug, mit dem Bus.
  • Müssen Sie evtl. sogar übernachten, um am nächsten Tag erst einmal das Wesentliche in die Wege zu leiten.
  • Wie kommen Sie wieder an Ihr Fahrzeug heran bzw. wird dann Ihr Wagen nach durchgeführter Reparatur zu Ihnen gebracht
  • Schlussendlich müssen Sie berücksichtigen, dass auch bei einer Reparatur etwas schief laufen kann und Sie später noch Gewährleistungsansprüche gegen die Werkstatt haben könnten. In dem Fall ist es dann äußerst ungünstig, wenn die Werkstatt 200 km entfernt ist und Sie wegen der Mängel dorthin müssen und nicht in Ihre vertraute Werkstatt gehen können.

 

Amtsgericht München spricht Abschleppkosten über 140 km zu 

Hier hat zum Beispiel das Amtsgericht München (Urteil vom 06.10.2014, 322 C 27990/13) zugunsten eines Unfallgeschädigten entschieden der sein Auto nach einem Unfall in München nach Hause in die Werkstatt nach Illertissen hat abschleppen lassen, um es dort reparieren zu lassen.
Das Amtsgericht München hat entschieden, dass nicht allein die Abschleppkosten wegen der Entfernung maßgeblich sind, sondern dass man alle Kosten die in diesem Zusammenhang mit dem Unfall anfallen, insgesamt gesehen werden müssen.

 

Abschleppkosten allein sind nicht maßgeblich

Schließlich geht es nach einem Unfall nicht allein darum, die Abschleppkosten für das Auto möglich gering zu halten entstehen. Passiert der Unfall weiter von Zuhause weg, fallen Fahrtkosten an, da Sie irgendwie wieder nach Hause kommen müssen. Das heißt, es entstehen Zug- oder Taxikosten um nach Hause zu kommen. Fährt kein Zug mehr und ist kein Taxi zu bekommen, müssten Sie in der Nähe des Unfallortes vielleicht übernachten.
Dann müssten Sie nach beendeter Reparatur wieder an Ihr Auto kommen. Das heißt entweder muss Ihnen das Auto gebracht werden oder Sie müssen es abholen. Auch hierfür fallen wieder Kosten an. Da Ihnen keine Versicherung den Zeitaufwand erstattet, dürfen Sie sich den Wagen auf Kosten der Versicherung nach Hause bringen lassen. Während Sie das vielleicht noch als tollen Service verbuchen, kommt der Ärger spätestens dann, wenn bei der Reparatur etwas schief gelaufen ist und Sie gegen die Werkstatt Gewährleistungsansprüche haben. Die ist aber weit weg und das Auto muss wieder dort hin.

 

AG Rosenheim spricht Abschleppkosten über 120 km zu

Im Ergebnis müssen Sie kurz überschlagen, welche Kosten bei welcher Alternative entstehen. Wenn Sie unterm Strich durch das Abschleppen nach Hause in Ihre vertraute Werkstatt günstiger kommen oder zumindest nicht wesentlich über den Kosten liegen, die bei einer Reparatur in der Nähe des Unfallortes entstanden werden, dürfen Sie Ihr Fahrzeug auch in die Heimatwerkstatt bringen lassen.
Eine weitere Entscheidung hierzu gibt es vom AG Rosenheim (Urteil vom 12.05.2017, 8 C 90/17) .
Sollte die gegnerische Versicherung in Ihrem Fall mit Diskussionen anfangen, können Sie die entstandenen Kosten durchaus mit einer Gegenüberstellung der jeweiligen Kosten begründen.

 

Die 11 größten Kürzungslügen der Versicherer – Teil II

Die 11 größten Kürzungslügen der Versicherer – Teil II

In Teil I ging es um die Kürzungen der Versicherungen bei

  • den Verbringungskosten
  • den Beilackierungskosten bei der farbangleichenden Beilackierung
  • den Sachverständigenkosten
  • dem Restwert
  • den Mietwagenkosten

In diesem zweiten Teil des Artikels, der sich mit den 11 größten Kürzungslügen der Versicherungen beschäftigt, geht es um die:

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