Schlagwort: Nutzungsausfall

Nutzungsausfall für 105 Tage in Höhe von 6.195, €

 
Die VA (Verkehrsrecht Aktuell) berichtet in ihrer Ausgabe vom Juli 2020 von einem Urteil des OLG Brandenburg vom 27.2.2020 (12 U 86/18) über eine Nutzungsentschädigung in einem Langzeitfall.
 
 
Das Urteil befasst sich u.a. mit diesen 5 Klassikern der Unfallschadensregulierung.
 

1. Nutzungsausfall für 105 Tage

Die Geschädigte hat Anspruch auf Nutzungsausfall für einen Zeitraum von 105 Tagen. Das Geschädigte kann Nutzungsausfall bis zur Schadensbehebung für einen angemessenen Zeitraum verlangen kann, wenn der Nutzungswille und eine hypothetische Nutzungsmöglichkeit vorliegen.
 
Auch wenn die Klägerin mangels Reparatur gut ein 1/4 Jahr auf das Fahrzeug verzichten musste, entfällt der Nutzungswille der Klägerin nicht.
 
 

2. Reparaturverzögerungen fallen unter das Werkstatt – und Prognoserisiko und gehen zu Lasten der Versicherung. Überschreitet die Reparaturdauer die im Gutachten kalkulierte Reparaturdauer, kann dies nicht zulasten der Klägerin gehen.

 

3. Es besteht keine Verpflichtung des Unfallgeschädigten, die Reparatur aus eigenen Mitteln oder durch in Anspruchnahme der Vollkaskoversicherung vorzufinanzieren.
Zumal hier ein Fall einer klaren Haftung (Auffahrunfall) auf Seiten der Versicherung gegeben war.

 

4. Hinweispflicht erfüllt: Die geschädigte Klägerin hat die Versicherung mehrfach im Vorfeld der Reparatur darauf hingewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, die Reparaturkosten in Höhe von rund 14.000 € aus eigener Tasche vorzufinanzieren.

 

5. Der Geschädigte ist grundsätzlich nicht berechtigt, mit dem Reparaturauftrag zu warten, bis eine Reparatur Übernahme Bestätigung der Versicherung vorliegt. Entstehen durch das Warten höhere Kosten durch Nutzungsausfall oder Mietwagen, muss sich der Geschädigte den Vorwurf gefallen lassen, gegen die Schadenminderungspflicht zu verstoßen.

Die Lösung des Problems liegt in dem Hinweis auf die fehlende Möglichkeit zur Vorfinanzierung der Reparaturkosten und Anforderung eines angemessenen Kostenvorschusses in Höhe der Reparaturkosten.

Nutzungsfall: So berechnen Sie die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung nach einem Unfall

In diesem Artikel erhalten Sie die Antworten auf Ihre Fragen zum Nutzungsausfall: 

  1. Wann habe ich Anspruch Nutzungsausfall?
  2. Wie viel Nutzungsausfall steht mir zu?
  3. Wie kann ich den Nutzungsausfall berechnen?

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1. Wann habe ich Anspruch auf Nutzungsausfall?


Immer dann, wenn Ihr Auto tatsächlich ausfällt und nicht mehr gefahren werden kann. Das Auto muss also wegen des Schadens zur Reparatur, ist nicht mehr fahrfähig oder sie müssen ein anderes Auto kaufen.

Sobald das Auto nicht mehr verkehrssicher ist und sie ist deshalb nicht mehr nutzen dürfen, steht ebenfalls Anspruch auf Nutzungsausfall.

Sie müssen einen Nutzungswillen haben und die Möglichkeit zur Nutzung.

Nutzungswille heißt, Sie benötigen das Auto normalerweise, um zur Arbeit zu fahren, Fahrten für die Familie zu machen oder auch für Urlaubsfahrten. Immer dann, wenn das Auto fest für Fahrten eingeplant ist und genutzt wird und diese planmäßige Nutzung aufgrund des Unfallschadens wegfällt, besteht Nutzungswille.

Außerdem ist die Nutzungsmöglichkeit Voraussetzung für den Nutzungsausfall.

Wenn Sie wegen einer unfallbedingten Verletzungen im Krankenhaus liegen und niemand anders aus der Familie das Auto nutzen will, ist eine Nutzungsmöglichkeit nicht gegeben.

Auch bei Urlaub, der ohne Auto geplant war, fehlt es an der Nutzungsmöglichkeit.

Anspruch auf Nutzungsausfall besteht also immer dann,

  • wenn das Auto ausfällt,
  • wenn ein Nutzungswille besteht
  • wenn eine Nutzungsmöglichkeit gegeben ist.

2. Wie viel Nutzungsausfall bekomme ich?


Die gesamte Ausfalldauer, die nicht in Ihren Einflussbereich fällt, ist Ihnen zu entschädigen.

Hierzu zählen:

  • Wartezeit auf das Gutachten
  • angemessene Zeit zum überlegen, ob das Auto repariert wird
  • Wiederbeschaffungsdauer laut Gutachten oder
  • Reparaturdauer
  • Regulierungszeit der Versicherung

Bei der Regulierungszeit der Versicherung ist zu beachten, dass Sie gleich am Anfang die Versicherung darauf hinweisen, dass ohne die Schadensersatzzahlung eine Reparatur oder Ersatzbeschaffung nicht möglich ist. Wenn die Versicherung unbeeindruckt von diesem Hinweis mehrere Wochen für die Regulierung braucht, können Sie für diesen gesamten Zeitraum Nutzungsausfall geltend machen.

Auch während der Coronazeit haben sich längere Ausfallzeiten ergeben. Hierzu ist auch folgender Artikel interessant.

 

Außerdem gibt es für die Fahrzeuge unterschiedliche Tagespauschalen. Die Höhe der täglichen Nutzungsausfallpauschale ist wiederum abhängig von der Fahrzeugklasse.

Schauen Sie einmal das Gutachten, ob Ihr Gutachter zu der Fahrzeugklasse und Nutzungsausfall pauschale Angaben gemacht hat.

 

3. Wie kann ich den Nutzungsausfall selber berechnen?

Wenn Sie kein Gutachten haben, können Sie folgende Werte zugrunde legen:

Klasse Tagespauschale in € Leistung kW*
A 23 51
B 29 63
C 35 74
D 38 80
E 43 85
F 50 100
G 59 149
H 65 176
J 79 223
K 119 280
L 175 327

*es handelt sich um Richtwerte, da die Höhe des Nutzungausfalls auch von Typ und Ausstattung abhängt.

Ein neuer Audi A1 1,4 TFSI mit 90 kW kann je nach Ausstattung in Gruppe D oder E fallen.

Außerdem spielt das Alter und die Ausstattung eine Rolle bei der Höhe der täglichen Nutzungsausfallpauschale. Ist Ihr Auto

  • älter als 5 Jahre, wird eine Gruppe niedriger angesetzt
  • älter als 10 Jahre, wird 2 Gruppen niedriger angesetzt. 

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Weiterer Schadensersatz in Höhe von rund 1.600,00 € erfolgreich gerichtlich durchgesetzt.

Eingeklagt wurden

  • 178,75 € weitere Mietwagenkosten,
  • 126,14 € Sachverständigenkosten,
  • 30,00 € Kostenpauschale,
  • 1.472,00 € Nutzungsausfall für 64 Tage.

Das Fahrzeug der Mandantin wurde bei einem Auffahrunfall durch das bei der Beklagten versicherte Fahrzeug erheblich geschädigt. An ihrem Fahrzeug trat ein wirtschaftlicher Totalschaden ein.

Die Mandantin hat den Schaden allerdings wieder instand setzen lassen, um ihren Wagen weiterhin nutzen zu können.

Für die ersten Tage benötigte sie einen Mietwagen. Danach konnte sie sich anderweitig behelfen, allerdings war die gegnerische Versicherung nicht bereit, den Nutzungsausfall in Höhe von 1.472,00 € außergerichtlich zu erstatten.

Zu berücksichtigen ist, dass sich der Unfall im Oktober ereignete, die Versicherung sofort darauf hingewiesen wurde, dass die geschädigte Mandantin unbedingt auf die Schadensersatzzahlung angewiesen ist, um weitere Dispositionen treffen zu können. Trotz klarer Haftung ging die erste Zahlung erst Mitte Dezember ein, was die Dauer und Höhe des Nutzungsausfalls erklärt.

Das Gericht sprach den Nutzungsausfall in voller Höhe zu, weitere Sachverständigenkosten in Höhe von 95,36 € sowie die Kostenpauschale in Höhe von 25,00 €. Die Mietwagenrechnung sah das Gericht als überhöht und damit nicht in voller Höhe erstattungsfähig an.

Hätte die Mandantin die Regulierung der Versicherung einfach akzeptiert, hätte sie rund 1.600,00 € verloren und die Versicherung auf Kosten meiner Mandantin gespart.

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Abschleppkosten, 41 Tage Nutzungsausfall, Standkosten und Zulassungskosten erfolgreich eingeklagt

Der Mandant erlitt einen unverschuldeten Verkehrsunfall, bei dem sein Fahrzeug schwer beschädigt wurde und vom Unfallort abgeschleppt werden musste. Der Unfallort lag knapp 200 km vom Wohnort des Mandanten entfernt, sodass 2 Mal abgeschleppt werden musste. Die Heimatwerkstatt des Mandanten holte das Fahrzeug von dem Abschleppdienst ab und brachte es in die Nähe seines Wohnortes.

Bis zur Abholung des Fahrzeugs durch die Heimatwerkstatt sind bei dem ersten Abschleppdienst Standkosten angefallen.

Die gegnerische Versicherung hatte die Kostenübernahme für dieses Abschleppen in Höhe von knapp 400,00 € verweigert und damit argumentiert, dass diese Kosten nicht erforderlich gewesen seien.

Außerdem wollte sie Standkosten bei dem ersten Abschleppdienst nicht übernehmen.

Der Mandant, welcher sich nach Erhalt des Gutachtens gegen eine Reparatur und für den Neuerwerb eines anderen Fahrzeugs entschied, machte insgesamt 41 Tage Nutzungsausfall geltend. Die ganze Sache fiel zeitlich in den Corona Lockdown, bei dem sowohl Autohäuser als auch Zulassungsstellen über Wochen geschlossen waren.

Auch den Nutzungsausfall in Höhe von rund 1.600,00 € wollte die Versicherung nicht bezahlen.

Insgesamt verweigerte die Versicherung dem Mandanten über 1.800,00 €, obwohl sämtliche Kosten unfallbedingt waren und der Mandant einen Anspruch auf Erstattung hatte.

Nachdem beim zuständigen Amtsgericht Klage gegen die Versicherung eingereicht wurde, erfolgte direkt mit Zustellung der Klage an die Versicherung auch der Ausgleich der Klageforderung.

Dies ist wieder mal ein Paradebeispiel dafür, dass man sich als Unfallgeschädigter gegen rechtswidrige Kürzungen der Versicherungen zur Wehr setzen muss.

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Ganz unverbindlich nehme ich eine erste Einschätzung Ihres Falles vor und wir besprechen gemeinsam, was wir für Sie tun können.

Nutzungsausfall in Corona Zeiten

Wer auf einen Mietwagen verzichtet, wenn das Auto in Reparatur ist, kann bei der Versicherung Nutzungsausfall geltend machen.

Die Dauer ergibt sich aus dem Gutachten:

  • Reparaturzeit oder Wiederbeschaffungsdauer
  • + x Tage Wartezeit auf das Gutachten und
  • + x Tage Bedenkzeit in reparaturkritischen Fällen

bilden den Rahmen für die Dauer des Nutzungsausfalls.

Bis zum Ende der Reparatur oder der Zulassung des Ersatzfahrzeuges zahlt die Versicherung Nutzungsausfall, wenn die Voraussetzungen für den Anspruch auf Nutzungsausfall erfüllt sind.

In der aktuellen Corona Situation kann es nach einem Unfall zu erheblichen Verzögerungen kommen, bis der Wagen begutachtet und repariert ist oder ein Ersatzwagen zugelassen werden kann.

Selbst wenn es Monate dauern wird bis Ersatzteile geliefert werden, die Zulassungsstellen aufmachen und Sie wieder einen eigenen fahrbaren Untersatz haben werden, muss Ihnen die Versicherung des Unfallverursachers diesen gesamten Ausfall erstatten.

Und je nach Fahrzeugtyp kann dabei eine recht ordentliche Summe Nutzungsausfall entstehen.

Sind die Kosten für die Reparaturbestätigung erstattungsfähig?

Schon lange wird darüber diskutiert, ob die Kosten für die Reparaturbestätigung durch einen Sachverständigen von der Versicherung zu ersetzen sind. Hierzu hatte ich ebenfalls schon einmal etwas geschrieben.

Urteile in die eine wie in die andere Richtung gibt es mittlerweile wie Sand am Meer.
Jetzt hat der Bundesgerichtshof auch noch einen draufgesetzt und sich zu der ganzen Sache geäußert. Und ich bin mir jetzt schon sicher, daß die Versicherungen künftig immer erst einmal kommen werden, sich auf das BGH-Urteil stürzen und eine Erstattung der Kosten für die Reparaturbestätigung ablehnen. Begründet wird das Ganze dann damit, daß der BGH gesagt hat, die Kosten für eine Reparaturbestätigung sind nicht erstattungsfähig, deshalb müsse man die nicht bezahlen.

Stimmt, das hat der BGH gesagt.

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Nutzungsausfall – Wann? Wie? Wofür?

Was ist Nutzungsausfall?

Sie haben Anspruch auf Nutzungsausfall, wenn Sie Ihr Auto nach einem Unfall nicht mehr nutzen könne. Das gilt, wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt zur Reparatur geben. Das gilt aber auch, wenn ein Totalschaden eingetreten ist und Sie ein anderes Auto kaufen müssen.

 

Wie lange steht mir Nutzungsausfall zu?

Nutzungsausfall erhalten Sie für
  • jeden Reparaturtag,
  • für die Wiederbeschaffungsdauer laut Gutachten,
  • für den Tag der Begutachtung,
  • für die Zeit, bis Sie das Gutachten haben.

 

Die Reparaturdauer wird vom Gutachter vorgegeben. Beim Totalschaden haben Sie normalerweise 14 Tage Zeit, für Ersatz zu sorgen.
 
Kommt es bei der Reparatur zu Verzögerungen, steht Ihnen auch länger Nutzungsausfall zu.
 
Sie sollten dann aber – wenn sich die Reparatur wesentlich verzögert – bei Ihrer Werkstatt nachhaken. Fragen Sie nach, was der Grund für die Verzögerungen ist. Klären Sie auch Möglichkeiten ab, ob Reparatur beschleunigt werden kann. In Extremfällen kann sogar ein Werkstattwechsel in Betracht kommen.
 
Anspruch auf Nutzungsausfall haben Sie auch dann,
  • wenn sich die Reparatur verzögert, weil Teile nicht geliefert werden können,
  • oder Feiertage in die Reparaturzeit fallen.
Müssen Sie einige Tage auf das Gutachten warten, haben Sie selbst bei einem offensichtlichen Totalschaden Anspruch auf Nutzungsausfall für die „Wartezeit„.
Liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, der im Rahmen der Opfergrenze repariert werden kann, dürfen Sie sich zwei bis drei Tage Zeit zum Überlegen nehmen, ob Sie die Reparatur beauftragen wollen. Stehen im Gutachten 5 Tage Reparaturdauer, können so leicht 8 bis 9 Tage Nutzungsausfall entstehen.
 
Müssen sich nach einem Ersatzwagen umsehen, wird in der Regel eine Wiederbeschaffungsdauer von 12 – 14 Tagen angenommen.
 
 

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