Verbringungskosten wurden von der Versicherung gekürzt

Filed in Unfall, Versicherung by on April 4, 2017 5 Comments
Verbringungskosten

Katharin Wieland / pixelio.de

Aktuell kürzen viele Versicherungen die Verbringungskosten bei einer Reparaturrechnung und zahlen nur einen Teil von dem, was in der Rechnung steht.

 

Was sind Verbringungskosten eigentlich?

Muss Ihr Auto im Zuge der Reparatur auch neu lackiert werden, macht das in den meisten Fällen Ihre Reparaturwerkstatt nicht selbst. Viele Werkstätten haben keine eigene Lackiererei und beauftragen dann eine Lackiererei mit den Lackierarbeiten. D.h. das Auto wird im Laufe der Reparatur in die Lackiererei gebracht, damit dort die reparierten Stellen lackiert werden können.
 
Hierfür fallen die Verbringungskosten an, also die Kosten für die Verbringung Ihres Autos in die Lackiererei.

 

Wer legt die Höhe der Verbringungskosten fest?

Wir hoch die Verbringungskosten sind, kalkuliert der Sachverständige, der für Sie das Schadensgutachten erstellt hat. Neben den Arbeitskosten, den Kosten für die Ersatzteile, etc. sollte sich im Gutachten eine Angabe zu der Höhe der Verbringungskosten finden.
 
Diesen Betrag finden Sie anschließend in der Reparaturrechnung wieder.

 

Versicherung kürzt den Rechnungsbetrag

Aktuell ist des Masche bei vielen Versicherern die Verbringungskosten zu kürzen. Es werden Pauschalbeträge angesetzt und ein Teil der Verbringungskosten wird mit fadenscheinigen Argumenten gestrichen. Ich hatte bereits in diesem Artikel schon einmal geschrieben, dass das Gutachten die Grundlage für die Reparaturrechnung ist und diese Kalkulation für die weitere Schadensberechnung maßgeblich ist.

 

Darf die Versicherungen einfach kürzen?

Ganz klar: Nein, sie darf nicht. Sie macht es aber trotzdem. Bei der Masse an Kfz-Unfällen, die die Versicherungen im Jahr regulieren, lohnt sich jede noch so kleine Kürzung. Wenn Sie eine Reparaturrechnung über mehrere Tausend Euro erhalten und davon dann 60,00 € oder 70,00 € nicht erstattet werden, ist es Ihnen vielleicht zu mühsam, sich dagegen zu wehren. Das wissen die Versicherungen auch, und deshalb probieren sie erst einmal, ob sie mit ihrer Kürzungstaktik Erfolg haben.

 

Für die Versicherer lohnt sich das

Wenn auch Sie gerade mit dem Gedanken spielen, die Abrechnung der Versicherung so hinzunehmen, tun Sie sich und anderen Unfallgeschädigten unterm Strich keinen Gefallen. Die Versicherungen werden dann nicht aufhören, Sie „aufs Kreuz zu legen“. Beim nächsten Unfall werden Sie dann wieder eine solche Kürzung hinnehmen müssen.

 

Was Sie dagegen tun können?

Lassen Sie sich gar nicht erst auf eine Schadensregulierung in Eigenregie ein, sondern nehmen gleich die Hilfe eines Anwalts in Anspruch. Der kann zwar nicht verhindern, dass die Versicherung es auch erst einmal versucht, die Reparaturrechnung zu kürzen.
Bei mancher Versicherung hilft bereits ein Anruf und die passenden Argumente, um den Rest durchzusetzen. Manche Versicherungen – wie die Huk Coburg Beispiel – sind aber stur und zahlen erst, wenn sie die Klage auf den Tisch bekommen. Aber dann zahlen sie direkt. Ich habe in den letzten Monaten keinen Fall auf dem Tisch gehabt, bei dem die Huk die Verteidigung gegen ihre rechtswidrige Kürzung aufgenommen hat.
 
Akzeptieren Sie diese Kürzungen nicht – schließlich ist es Ihr Geld, auf das Sie am Ende verzichten. Warum sollten Sie das tun?

 

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Rechtsanwältin Helzel ist Fachanwältin für Verkehrsrecht in Nürnberg. Die Kanzlei bearbeitet ausschließlich Fälle im Verkehrsrecht und Schadensersatzrecht. Weitere interessante Themen finden Sie auch auf der Kanzleiwebseite: http://www.verkehrsrecht-nuernberg.eu

Comments (5)

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  1. Roman sagt:

    Wie verhält es sich bei fiktiver Abrechnung, darf die Versicherung dann um die Verbringungskosten kürzen?

    • RAinHelzel sagt:

      Hallo Roman, Sie haben einen Kostenvoranschlag oder ein Gutachten, dass nach den Preisen einer bestimmten Werkstatt kalkuliert wurde. Wenn diese Werkstatt keine eigene Lackiererei hat und Verbringungskosten berechnen würde, dann darf die Versicherung die Verbringungskosten auch bei fiktiver Abrechnung nicht kürzen.

      • Roman sagt:

        Sehr geehrte Frau Helzel,

        ich werde ab jetzt immer einen Anwalt einschalten. In zwei Fällen wurden mir bei fiktiver Abrechnung die Verbringungskosten gestrichen. Insgesamt sind es um die 180€.

        Die Versicherungen haben jedoch beide sofort gezahlt, ich verstehe nun warum.

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